Die einfachsten heute lebenden Zellen sind sog. Mycoplasmen:
bakterienähnliche Lebewesen mit nur 0,2 mm Durchmesser,
wahrscheinlich recht primitiv und mit die kleinsten Lebewesen überhaupt.
Sie sind von einer Zellmembran
aus Lipiden und Proteinen umhüllt, die das bei diesen Organismen noch wenig
strukturierte Cytoplasma
umschließt, das zahlreiche Ribosomen enthält. Mycoplasma-Erbgut besteht
aus DNA und codiert für etwa 750 Proteine, das ist zehmal weniger genetische
Information als in den meisten Bakterien. In den primitivsten Urzellen war aber
wahrscheinlich RNA als ursprünglichste Form der Erbsubstanz vorhanden,
weil diese gewisse enzymatische Funktionen übernehmen kann.
RNA tritt auch als Erbgut in verschiedenen Viren (s. dort) auf; dort codiert
sie für bis zu einige hundert Proteine.
Die Organismen lassen sich aufgrund ihrer Eigenschaften in die Hauptkategorien
Prokaryoten (ohne echten Zellkern) und Eukaryoten (mit Zellkern = Karyon) einteilen;
Unterschiede siehe Tabelle 1, Ansicht Abb. 1.
Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, daß Mitochondrien ursprünglich
aerobe Bakterien waren, die in die eukaryotische Zelle integriert wurden ("Endosymbionten-Theorie"),
z.B., daß die Mitochondrien über eigene DNA verfügen sowie über
eine "Maschinerie" zur Proteinsynthese.
Die Zellvermehrung beruht auf einer Verdoppeltung des Genoms mit anschließender Zellteilung. Bei Prokaryoten ist die DNA der Zellwand angeheftet. Vor der Zellteilung verdoppeln sich Genom und Anheftungsstelle, und die beiden Tochtergenome werden durch Membranwachstum und Bildung einer Trennwand zwischen den Tochterzellen getrennt. Bei Eukaryoten ist das Genom von einer doppelten Kernmembran umgeben. Hier geht eine Kernteilung (Mitose) der Zellteilung voraus. Bei bestimmten einzelligen Eukaryoten ist das Genom an die Kernmembran angeheftet und diese bleibt während der Mitose intakt (vgl. Abb. 3.1). Bei höheren Eukaryoten löst sich dagegen die Kernmembran während der Mitose auf (Abb. 1.15) und bildet sich anschließend neu.
Biologische Membranen wirken als selektive Barrieren, die einen gerichteten Stoff-, Energie- und Informationsaustausch zwischen Zelle und Umwelt sowie zwischen bestimmten Kompartimenten innerhalb der Zelle ermöglichen. Der Prinzipielle Aufbau aller biologischen Membranen besteht aus einer Doppellipidschicht, in die Membranproteine eingebaut sind (vgl. Abb. 1.2).
Die Lipide der Zellmembran sind amphiphil, d.h. sie bestehen
aus einem hydrophilen ("wasserliebenden") Kopf aus Phosphat und einem
lipophilen ("fettliebenden") (Doppel-)Schwanz aus Fettsäure.
Diese Phospholipide bilden in wässriger Umgebung entweder kugelförmige
Micellen (hydrophile Köpfe außen, lipophile Schwänze innen)
oder Doppelschichten (auch hier die hydrophile Seite an der Membranoberfläche).
Natürliche Lipiddoppelschichten sind asymmetrisch oder polarisiert; diese
Polarisation übernimmt vor allem bei Nervenzellen
eine wichtige Funktion.
Die wichtigsten Funktionen der Membranen werden von Membranproteinen übernommen,
die in der Lipiddoppelschicht gleichsam gelöst sind. Der lipophile Anteil
durchspannt bei den integralen Membranproteinen die Lipiddoppelschicht
(Dicke ca. 5 nm) in Form einer a-Helix ein- oder
mehrfach; polare Teile des Proteins liegen auf der cytoplasmatischen bzw. extrazellulären
Seite der Doppelschicht. Ca. 20 Aminosäuren in helikaler Anordnung durchspannen
die Lipiddoppelschicht. Meist sind die Membranproteine Glycoproteine
mit Seitenketten aus Zuckern; hydrophile Zuckerresste liegen dabei stets auf
der extrazelluären Seite (daher die Asymmetrie!). Außerdem gibt es
auch membranassoziierte Proteine, die in der Membran mittels Fettsäureresten
in der Lipidschicht verankert sind. Membranassoziierte Glycoproteine, die sog.
Glycokalix, könnne auf
der extrazellulären Seite an integrale Membranproteine binden. Auf cytoplasmatischer
Seite können integrale Membranproteine an Ankerproteine binden.
Wie die Lipidmoleküle könnnen auch die Proteine lateral in der Membranebene
diffundieren, doch mit wesentlich geringerer Diffusionsgeschwindigkeit. Auch
bei den Proteinen erfolgt kein Flip-Flop.
Bestimmte Membranproteine binden an die sog. extrazelluläre
Matrix und tragen damit zur Adhäsion der Zelle an das umgebende Substrat
bei, andere sind am Cytoskelett im Inneren der Zelle verankert.
Außer Lipiden und Proteinen enthält die Zellmembran auch Glycolipide
(Verbindungen aus Lipiden und Zuckern), die stets in der äußeren
Lipidschicht lokalisiert sind. Auf der Außenseite der Zellmembran sind
außerdem Glycoproteine und Polysaccharide adsorbiert und bilden die Glycocalix.
Die Zellmembran als selektive Barriere dient der Aufrechterhaltung
des intrazellulären Millieus und ermöglichen einen gerichteten Austausch
von Ionen, niedermolekularen Stoffen und Makromolekülen. Das Innen- und
Außenmillieu ist sehr unterschiedlich zusammengesetzt, z.B. in Bezug auf
die Ionenkonzentration; meist haben tierische Zellen eine höhere innere
[K+]-und eine hohe [Na+]-Konzentration, was zu einem elektrochemischen Gradienten
führt. Das resultierende Membranpotential
liegt zwischen -20 und -200 mV (gemessen innen gegen außen).
Lpiddoppelschichten sind für lipophile und kleine ungeladene, aber polare
Moleküle wie Wasser, CO2 und Harnstoff permeabel, für größere
polare Moleküle wie Glucose und für Ionen jedoch undurchlässig.
Daher existieren spezielle Ionentransportmechanismen.
Dabei unterscheidet man passiven (entlang des Konzentrationsgefälles)
und aktiven Transport (entgegen dem Gradienten); der passive geschieht
über Ionenkanäle (aus integralen Membranproteinen, verschließbar),
der aktive über Ionenpumpen (integrale Membranproteine; unter Energieverbrauch
und reversibler Phosphorylierung der Proteine durch ATP Konformationsänderung
der Moleküle, dadurch Punpfunktion), der Transport von niedermolekularen
Stoffen (z.B. Glucose) ist mit dem Ionentransport gekoppelt und erfolgt am gleichen
Trägerprotein.
Hierbei spielen Membranfusionsprozesse eine wichtige Rolle.
Das Schaubild zeigt den Verlauf von Endo- und Exocytose: Bei der Endocytose bildet sich zunächst eine Einbuchtung der Membran. Dann binden Teile des
äußeren Blattes der Lipiddoppelschicht aneinander, und anschließend
schnürt sich ein Vesikel ab, wobei die Membranen fusionieren, die das Vesikel
umhüllen. Die Polarität der Membran bleibt hier erhalten: Die gegen
das Cytoplasma gerichtete Schicht bleibt auf der Cytoplasmatischen Seite. Bei
der Exocytose läuft der Vorgang umgekehrt ab, wobei der Ihalt des Vesikels
nach außen abgegeben wird. Eine Modifikation der Exocytose, bei der das
Bläschen nach außen abgeschnürt wird und von der Zellmembran
eingeschlossen bleibt, ist die Knospung.
Der Mechanismus der Membranfusion ist von grundsätzlicher Bedeutung, da
er bei jeder Zellteilung analog zur Knospung und jeder Zellfusion (z.B. bei
der Befruchtung) analog zur Endocytose abläuft. Im Inneren der Zelle laufen
diese Prozesse pausenlos ab, was einen Membranfluß zur Folge
hat.
Rezeptorvermittelte Endocytose dient v.a. der Aufnahme und dem Transport von Proteinen, z.B. Insulin, oder von Dotterproteinen, die von der Leber über das Blut ins Ovar transportiert werden; auch andere Metaboliten (z.B. Cholesterol, Eisen) werden endocytiert, wenn sie an ein Trägerprotein gebunde sind (LDL bzw. Transferrin). Durch Pinocytose können gelöste Stoffe, durch Phagocytose auch feste Stoffe ins Zellinnere aufgenommen werden.
Exocytose dient der Sekretion von Makromolekülen. Sekretorische Vesikel können kontinuierlich oder erst auf ein Signal hin (z.B. Nervenimpuls, hormonales Signal) freigesetzt werden. Knospung gibt es z.B. bei der Milchsekretion: Fettröpfchen der Milch werden von den Milchdrüsen als Vesikel in die Milch abgegeben. Auch bestimmte Viren werden in der Zellmembran zusammengebaut und durch Knospung freigesetzt.
Die eukaryotischen Zellen sind durch innere Membranen in Kompartimente unterteilt. Dadurch erfolgt eine Vergrößerung der inneren Oberfläche und zu einer strukturellen und funktionellen Differenzierung der Membranen. Es gibt 7 Hauptkompartimente: Zellkern, Mitochondrien, Chloroplasten (doppelte Membran), Endoplasmatisches Reticulum (ER), Golgi-Apparat, Lysosomen, Endosomen (einfache Membran; stehen direkt oder über Membranvesikel in Verbindung).
Das ER hat eine ca. 25x größere Oberfläche
als die Plasmamembran. Es bildet ein Netz von Cisternen und Kanälen (mit
einfacher Membran). Die ER-Membran geht kontinuierlich in die äußere
Kernmembran über (vgl. Abb. 1.1); eine direkte Verbindung zwischen ER und
Golgi-Apparat besteht aber scheinbar nicht, so daß der Transport von Membrankomponenten
und Sekreten zwischen beiden über Membranvesikel ablaufen muß.
Das
ER synthetisiert Membranen. Der Membranfluß läuft
vom ER zur Kernmembran und über Vesikel zum Golgi-Apparat, wo er in Richtung
Plasmamembran und sekretorische Vesikel oder in Richtung Lysosomen geleitet
wird (vgl. Abb. 1.3). Auch Phosphatidylcholin und -ethanolamin werden hier
synthetisiert;
deren Transport findet aber mit Hilfe von Transportproteinen durch das Cytosol
statt.
Der proteinsynthetsierende Teil des ER ("rauhes ER") ist mit Robosomen
besetzt, die stets auf der Außenseite (cytoplasmatische Seite) des ER.
Das rauhe ER geht direkt in das glatte ER über, kann aber von diesem durch
Zellfraktionierungsverfahren abgetrennt werden. Infolge der höheren Dichte
der RNA-Moleküle in den Ribosomen können die (bei Zellfraktionierung
entstehenden) rauhen Mikrosomen auch von den glatten Mikrosomen getrennt werden.
Das rauhe ER unterscheidet sich vom glatten z.B. durch die Proteinsynthese,
die an den Ribosomenpartikeln abläuft (vgl. Kap.
2). Membrangebundene Ribosomen synthetisieren v.a. die Proteine
und Glykoproteine der Membranen des ER selbst, des Golgi-Apparats, der Lysosomen
und der Plasmamembran sowie Sekretproteine, die aus der Zelle ausgeschieden
werden, sowie Proteine der extrazellulären Matrix. Freie Ribosomen synthetisieren
dagegen die löslichen Proteine des Cytosols, membranassoziierte Proteine,
die auf der cytoplasmatischen Seite an die Membran gebunden sind, Proteine der
Peroxisomen, und die mitochondrialen Proteine, die von der DNA im Zellkern codiert
werden. Alle Ribosomen werden im Cytosol mit mRNA als Matritze für die
Synthese der entsprechenden Proteine dient, beladen.
Das Signal zur Bindung der Ribosomen an die Membran des ER ist im zu synthetisierenden Protein selbst enthalten (Signalpeptid), das häufig am Aminoterminus des Proteins lokalisiert ist und aus 16-30 Aminosäuren besteht. Dem reifen Protein fehlt es. Daher nennt man signaltragende Proteinvorläufer Präproteine (vgl. auch Abb. 1.4).
Die meisten der am ER synthetisierten Proteine werden glykcolysiert;
diese Glycolisierung findet auf der Lumenseite des ER statt. Die Kohlenhydratseitenketten
bestehen aus drei Zuckern: N-Acetylglucosamin, Mannose und Glucose, die an einen
Asparaginrest gebunden sind. Dies kann durch den Inhibitor Tunicamycin gehemmt
werden.
Das glatte ER ist v.a. auf den Fettstoffwechsel spezialisiert
und in solchen Zellen (wie z.B. Leberzellen) stark entwickelt, die große
Mengen Lipoproteine "exportieren". Außerdem übernimmt es
die Detoxifikation in Bezug auf Medikamente, Drogen und toxische Stoffwechselprodukte;
hierbei sind vor allem die am Cytochrom P 450 lokalisierten Enzyme
wichtig. Im glatten ER findet auch die Synthese von Steroidhormonen
statt (vom Cholesterol ausgehend).
Er liegt bei vielen Zelltypen in der Nähe des Zellkerns und des Centriols und besteht aus einem Stapel flacher oder scheibenförmiger Membrancisternen (vgl. Abb. 1.1 und 1.3), die mit zahlreichen Vesikeln assoziiert sind. Die dem ER zugewandte Seite ist die cis-Seite, die entferntere die trans-Seite; daran findet sich ein ausgeprägtes Netzwerk von Zisternen. Der Transport von Glycoproteinen vom ER über den Golgi-Apparat zu sekretorischen Vesikeln läßt sich in einem Pulse-Chase-Experiment nachweisen.
Der Transport vom ER zum Golgi-Apparat erfolgt wahrscheinlich über Vesikel, die sich vom ER abschnüren und mit dem cis-Golgi-Apparat fusionieren. Im Inneren werden die Oligosaccharidseitenketten der Glycoproteine modifiziert, d.h., bestimmte im ER addierte Zucker werden abgespalten und andere hinzugefügt. Es gibt zwei Klassen N-gekoppelter Oligosaccharide: Die mannosereichen Oligosaccharidseitenketten bestehen nur aus Mannose und N-Acetylglucosamin, während die komplexen Seitenketten zusätzlich Galactose, Sialinsäure und Fucose enthalten. Die Glycolysierung von Serin und Threonin findet auch im Golgi-Apparat statt. Nach der Modifikation stattgefunden hat, werden sie dort sortiert und entsprechend ihrem Bestimmungsort in Vesikeln zu verschiedenen Abschnitten der Plasmamembran oder zu Lysosomen weitergeleitet.
Lysosomen sind von einer Membran umhüllte Vesikel, die eine Reihe saurer Hydrolasen (pH-Optimum 5) zur Spaltung von Proteinen, Nucleinsäuren, Kohlenhydraten, Fetten, Phospholipiden, Phosphat- und Sulfatestern enthalten. Ein spezielles Protein pumpt H+ in ihr Lumen zur Aufrechterhaltung des pH. Die Enzyme werden im rauhen ER synthetisiert, glykolysiert und anschließend im Golgi-Apparat an den Mannoseseitenketten phosphoryliert. Das entstehende Mannose-6-Phosphat dient als "Adresse" für die lysosomalen Enzyme, damit sie ins richtige Kompartiment transportiert werden, denn die Membran des Golgi-Apparats besitzt einen Rezeptor dafür. Vom Golgi-Apparat schnüren sich Vesikel mit lysosomalen Proteinen als primäre Lysosomen ab. An ihrem Bestimmungsort dissoziieren die Enzyme wegen des dort niedrigeren pH-Wertes von ihrem Rezeptor ab. Die von Lysosomen verdauten Substrate sind verschiedenartig: endocytotische Vesikel, Zellorganellen, phagocytierte Mikroorganismen. Die Autolyse der Zelle wird dadurch verhindert, daß die sauren Hydrolasen nicht frei im Cytosol, sondern in Vesikeln eingeschlossen sind.
Peroxisomen sind lysosomenähnliche Vesikel, die jedoch nicht im Golgi-Apparat gebildet werden. Sie enthalten Oxidasen, die Substrate (z.B. Aminosäuren, Purine, Milchsäure, Fettsäuren, usw.) oxidieren; dabei entsteht H2O2 (Name!). Die entstehenden Peroxide (starke Zellgifte) werden von der Katalase zu Wasser reduziert. Möglicherweise handelt es sich bei den Peroxisomen um autonome Zellorganellen, die ählich wie Mitochondrien durch Teilung aus ihresgleichen entstehen.
Pflanzenzellen besitzen eine formgebende Zellwand, tierische Zellen sind formveränderlich. Sowohl Form als auch Motilität werden durch das Cytoskelett aus Filamenten, die in der Zellmembran verankert sind, bestimmt. Es gibt drei Typen Filamente: Actinfilamente, Mikrotubuli (dienen der Motilität) und intermediäre Filamente (Stützfunktion).
Sie treten in allen Zellen auf und haben wichtige Aufgaben bei Bewegung, Zellteilung, Muskelkontraktion, Stützfunktion bei Mikrovilli. Sie liegen als sog. Streßfasern v.a. unter der Zelloberfläche und sind über andere Proteine (z.B. Vinculin) in der Zellmembran verankert. Bei der Zellteilung (Furchung) bildet sich ein kontraktiler Ring von Actinfilamenten, der sich unter dem Einfluß von Myosin kontrahiert und die beiden Tochterzellen voneinander abschnürt (Abb. 3.10). Actinfilamente sind dynamische Strukturen, sie entstehen laufend neu und werden wieder abgebaut. Dabei sind actinmodulierende Proteine beteiligt (Abb. 1.6).
Actin ist ein längliches,
globuläres Protein einer Größe von 4 x 6,5 nm, das in monomerer
Form als G-Actin (globuläres Actin) bezeichnet wird. Es bindet
ein Molekül ATP und ein Ca2+-Ion und kann zu fädigem F-Actin
(fädiges Actin) polymerisieren, wobei ATP hydrolysiert wird. F-Actin besteht
aus 2 zu einer Helix verdrillten Strängen (Abb. 1.6). Die Polymerisation
erfolgt "Kopf an Schwanz", dadurch sind die Stränge polarisiert
und binden an den Enden verschiedene modulierende Proteine. Actin bildet im
Muskel die dünnen Filamente, die dicken bestehen aus Myosin. Bei der Muskelkontraktion
kommt es zu einer Wechselwirkung zwischen Actin und Myosin, die dabei gegeneinander
verschoben werden, ohne ihre Länge zu ändern (Modell der gleitenden
Filamente).
Die Funktion der Actinfilamente kann durch Inhibitoren gehemmt werden.
Mikrotubuli sind röhrenförmige Filamente des Cytoskeletts,
zu finden in allen Eukaryoten. Sie bilden den Spindelapparat bei der Zellteilung.
Sie sind für den intrazellulären Transport von Partikeln (z.B. in
Nervenfasern) verantwortlich und bauen Cilien
oder Flagellen auf. Diese
haben den selben Bauplan ("9+2"-Aufbau; Abb. 8.9).
Die Mikrotubuli sind aus Tubulin
aufgebaut, das aus einer a- und einer b-Einheit besteht und zu röhrenförmigen
Filamenten polymerisieren kann. Dabei werden auch im polarisierten Zustand ständig
Untereinheiten ausgetauscht: Die Assoziationsrate ist am (+)-Ende, die Dissoziationsrate
am (-)-Ende größer. Eine Blockierung des (-)-Endes führt zu
einer Verlängerung des Mikrotubulus, die des (+)-Endes zu einem Schrumpfen.
Mikrotubuli entstehen von Organisationszentren aus, die entweder als Basalkörper
an der Basis der Cilie liegen oder als Centriolen im Zentrum
der Zelle. Der Basalkörper besteht aus 9 dreifachen Mikrotubuli; die zentralen
Tubuli fehlen. Vom Basalkörper aus erfolgt die Polymerisation zum Mikrotubulus
in einem Selbstorganisationsprozeß. Die Centriolen bestehen aus zwei senkrecht
aufeinanderstehenden Zylindern mit ca. 0,1 mm Durchmesser
und 0,3 mm Länge, die sich strukturell kaum
vom Basalkörper unterscheiden.
Die nur im EM-Bild sichtbaren Centriolen liegen in der Nähe des Zellkerns
im Zentrum der Zelle im Bereich des Centrosoms. Dieses wirkt als Organisationszentrum
von Mikrotubuli auch dann, wenn elektronenoptisch keine Centriolen nachweisbar
sind (z.B. bei Zellen höherer Pflanzen).
Bei tierischen Gewebekulturen liegen die beiden Centriolen meist im Zentrum
der Zelle. In der Verlängerung des einen Centriols liegt eine unbewegliche
primäre Cilie nach "9+0"-Schema.
Auch für Tubulin sind polymerisationshemmende Inhibitoren gefunden
worden, z.B. Colchicin
(Alkaloid der Herbstzeitlose) und (synthetisches) Colcemid.
Zwischen den Plasmamembranen benachbarter Zellen bestehen spezialisierte
Kontakte (3 unterschiedliche Typen): Desmosomen (dienen der Adhäsion
zwischen den Zellen), Verschlußkontakte (tight junctions;
als Barriere gegen die Passage von Stoffen durch die schmalen Interzellulärspalten
und gegen die freie Diffusion von Membranproteinen innerhalb der Membran), Kommunikationskontakte
(gap junctions) und chemische Synapsen (zur Kommunikation
der Zellen miteinander).
Desmosomen sind Membranspezialisationen, mit denen die Zellen
aneinanderhaften. Sie bilden (z.B. in Darmepithelzellen) entweder einen Gürtel
auf der apikalen Seite (gegen das Darmlumen) der Zelle oder scheibenförmige,
druckknopfähnliche Plaques (vgl. Abb. 1.1,
1.7). Bei Plaquedesmosomen
sind die aneinandergehefteten Zellmembranen außen durch einen Abstand
von 30 nm getrennt, der mit filamentösem Material gefüllt ist. Auf
der Membraninnenseite ist ein scheibenförmiger Plaque angelagert, an dem
intermediäre Tonofilamente ansetzen. Gürteldesmosomen
sind dagegen mit einem Bündel von Actinfilamenten assoziiert (Abb.
1.7), bei dessen Kontraktion sich die
Zelle wie an einem Kragen zusammenzieht; das ist bei Formveränderungen
der Zelle (z.B. beim Einrollen des Neuralrohrs in der Embryonalentwicklung)
von großer Bedeutung.
Bei Verschlußkontakten (tight junctions) grenzen
die Membranen benachbarter Zellen direkt aneinander und dichten beide Seiten
einer Zellschicht gegeneinander ab (z.B. das Darmlumen gegen das Darmepithel;
vgl. Abb. 1.1, 1.7), sodaß
keine Stoffe zwischen den Zellen hindurch ins Innere des Körpers gelangen
können; dadurch müssen Nahrungsaufnahme und Stofftransport in kontrollierter
Weise geschehen. Verschlußkontakte verhindern außerdem auch die
Diffusion von Membranproteinen innerhalb der Membran.
Kommunikationskontakte (gap junctions) ermöglichen
Kommunikation zwischen den Zellen und bestehen aus Connexin, einem
Protein, das in der Membran hexagonale Hohlzylinder (Connexone) bildet
(Abb. 1.7). Der entstehende Kanal (Æ
ca. 2 nm) ist wahrscheinlich verschließbar. Durch ihn können kleine
Moleküle (bis 1500 D Molekulargewicht) passieren. So können Zellen
chemische Signale, z.B. cAMP u.a. Botenstoffe austauschen; auch Ionen können
ausgetauscht werden, wodurch elektrischer Kontakt zwischen den Zellen hergestellt
wird (elektrische Synapsen bei Nervenzellen).
Extrazelluläre Matrix ist die Grundsubstanz,
in die tierische Zellen eingebettet sind. Sie bildet nicht nur Unterlage (Basallamina)
für Zellepithelien oder einen "Klebstoff", der die Zellen zusammenhält,
sondern auch spezialisierte Strukturen wie Sehnen, Knorpel, Knochen und Zähne.
Sie besteht hauptsächlich aus Proteinen (Kollagen,
Elastin, Fribronectin, Laminin), die in ein wasserreiches
Gel aus Polysacchariden (z.B. Hyaluronsäure: unverzweigte
Kette mehrer tausend Zuckermoleküle aus alternierend verbundener N-Acetylglucosmain-
und Glucurnsäuremoleküle) und Proteoglycanen (Serin-reiche
Polypeptidketten mit Glycosaminoglycan-Seitenketten) eingebettet sind.
Kollagene stellen den größten Anteil der extrazellulären
Matrixprotein (bei Säugern ca. 25%); es gibt mindestens 12 unterschiedliche
Kollagentypen (von verschiedenen Genen codiert), deren Synthese im rauhen ER
erfolgt, wo zunächst eine Pro-a-Proteinkette
mit einem Signalpeptid synthetisiert wird, die aufgrund ihres Prolingehalts
eine leicht gewundene Schraubenstruktur hat. Je 3 a-Ketten
bilden eine über Disulfidbrücken verknüpfte Tripelhelix, die
in den Extrazellulärraum sezerniert wird. Dort spalten spezielle Proteasen
die nichthelicalen Strukturen ab, was eine Polymerisation zu Kollagenfasern
ermöglicht.
Elastin bestimmt wesentlich die Elastizität der extrazellulären
Matrix und ist ein Protein, das ebenfalls Kreuzvernetzung, aber Knäuelstruktur
aufweist; daher zieht es sich nach Streckung wieder zusammen.
Extrazelluläre Matrixproteine sind daneben auch für Zelladhäsion,
Zellwanderung und Differenzierung bedeutsam. Fibronectin ist
ein faserbildendes Glycoprotein aus zwei ähnlichen Untereinheiten (250
kD), die durch Disulfidbrücken verbunden sind. Es kann durch partielle
Proteaseverdauung in verschiedene Domänen gespalten werden, die spezifisch
an andere Komponenten der Extrazellulärmatrix binden: Kollagen oder Heparin,
Fibrin (entsteht bei der Blutgerinnung) oder Rezeptoren in der Membran von Zellen.
Fibronectin dient als Substrat bei der Adhäsion von Zellen an die Unterlage,
die extrazelluläre Matrix und bei Zellwanderung. Es gibt auch Hinweise,
daß die extrazelluläre Matrix die Differenzierung und Teilung der
Zelle beeinflußt.
Die Basallamina ist eine sezielle Form der extrazellulären
Matrix, die Epithelzellen gegen das Bindegewebe abgrenzt, Muskelzellen umschließt
oder in den Myelinscheiden Nervenfasern umhüllt. Sie wird von den Zellen
sezerniert, die ihr aufsitzen und besteht hauptsächlich aus Kollagen (Typ
IV), Laminin und Proteoglykanen. Laminin ist ein Glykoprotein zur Verankerung
von Epithelzellen, das ähnlich wie Fibronectin verschiedene Domänen
aufweist, die an unterschiedliche Rezeptoren u.a. Komponenten der extrazellulären
Matrix binden. Seine Zellerkennungsregion ist Arg-Gly-Asp-Ser. Die Basallamina
hat unterschiedliche Aufgaben: In der Niere dient sie als Filter, in Epithelien
als Barriere gegen das Eindringen von Fibroblasten; sie kann auch heterogen
strukturiert sein: an der neuromotorischen Synapse ist sie speziell strukturiert.
Sie scheint auch während der Entwicklung beim Erkennungsmechanismus zwischen
Nerven - und Muskelzellen eine wichtige Rolle zu spielen.
Sie sind zylinderförmig (Æ
0,5-1 nm) und dienen der Energieumwandlung: sie oxidieren Pyruvat (Brenztraubensäure)
mit O2 vollständig bis zu CO2 und H2O. Dabei entsteht in der oxidativen
Phosphorylierung 36 Moleküle ATP (vgl. chemiosmotische Hypothese,
Abb. 4.2C).
Chloroplasten der Pflanzenzellen funktionieren nach dem gleichen Prinzip,
benutzen aber statt Fetssäuren und Zucker Sonnenlicht als Energiequelle
(vgl. auch Chemiosmose bei Bakterien).
Bau (vgl. Abb. 1.8): Zwei Membranen unterteilen
das Mitochondrium in vier Kompartimente: die äußere Membran, den
Intermembranraum, die innere Membran und die Matrix. Die vier Kompartimente
können durch osmotischen Schock voneinander getrennt werden.
Die äußere Membran ist eine Lipiddoppelschicht, enthält
Enzyme des Lipidstoffwechsels und ein Transportprotein, das hydrophile Kanäle
bildet, durch die kleinere Moleküle (bis 10 kD) in den Intermembranraum
eindringen können. Die innere Membran ist für sie dagegen
undurchlässig. Sie enthält viel Cardiolipin (ein spezielles Phospholipid)
und ist zu Christae zur Oberflächenvergrößerung aufgefaltet.
Hier liegen die Enzyme der Atmungskette und der ATP-Synthetase-Komplex, der
durch den elektrochemischen Gradienten angetrieben wird, sowie Transportproteine,
die Metabolite in die Matrix hinein bzw. heraus transportieren. Die Matrix
enthält hunderte von Enzymen, die zur Oxidation von Pyruvat und Fettsäuren
für den Citratcyclus und die Biosynthese von Aminosäuren benötigt
werden. Außerdem liegen hier mehrere ringförmige mitochondriale DNA-Stücke,
spezielle Ribosomen, tRNA und alle Enzyme, die für die Expression und Replikation
der mitochondrialen Gene notwendig sind.
Mitochondrien gehen während ihrer Biogenese
immer nur aus bereits vorhandenen Mitochondrien durch Teilung hervor. Diese
beginnt wie bei Bakterien mit einer Einfaltung der inneren Membran. Die genetische
Information für die Biogenese ist im mitochondrialen Genom und im Zellkern
enthalten. Mitochondrien enthalten zirkuläre DNA, bei Tieren mit ca. 14-19
kb, bei Pflanzen wesentlich länger.
Mitochondriale DNA des Menschen besteht aus 16569 b (Basenpaaren). Sie codiert
für die beiden ribosomalen RNA-Typen, 22 verschiedene tRNA und 13 Proteine.
Außerdem werden mindestens 90 Gene des Zellkerns für die Biogenese
der Mitochondrien benötigt. Die Mitochondrien enthalten außer der
DNA auch ihr eigenes Transkriptionssystem für die RNA-Synthese und eigene
Ribosomen für die Proteinsynthese, deren Mechanismen an diejenigen der
Bakterien erinnern. Inhibitoren der Proteinbiosynthese (z.B. Chloramphenicol,
Tetracyclin) wirken auch bei Mitochondrien, Cycloheximid hemmt
sie dagegen nicht.
Der Nucleus ist von einer Kernhülle umgeben (doppelte Membran), die das Nucleoplasma umschließt. Dieses besteht hauptsächlich aus Chromatin (= Erbsubstanz), dem Nucleolus (= Bildungsort der Ribosomen) sowie löslichen und partikulären Komponenten (z.B. Enzyme für die Replikation, Transkription und Prozessierung der Transkripte).
Sie besteht aus 2 Membranen, deren äußere
kontinuierlich in das rauhe ER übergeht und wie dieses mit Ribosomen besetzt
ist. Die innere Membran ist von der nucleären Lamina bedeckt,
die aus 3 Proteinen (Laminen) gebildet wird. Die beiden Membranen stehen
durch Kernporen direkt miteinander in Verbindung und umschließen einen
perinucleären Raum, der mit dem Lumen des rauhen ER in Verbindung
steht. Die Neubildung der Kernhülle nach der Teilung erfolgt durch Neusynthese
im ER und Selbstknostitution der verbleibenden Membrankomponenten. Die Auflösung
der Kernmembran während der Mitose scheint durch vorübergehende Phosphorylierung
der Lamine induziert zu werden.
Die Kernhülle ist von vielen Kernporen aus regelmäßigen
Porenkomplexen aus 8 ringförmig angeordneten Granula durchsetzt. Der Kanal
im Zentrum ist dabei für Moleküle bis ca. 20 kD frei durchlässig.
Größere Proteine (z.B. Histone, Nucleoplasmin)
werden im Cytoplasma synthetisiert und gelangen durch vektoriellen Transport
in den Kern. Im Gegensatz zum vektoriellen Transport durch das ER wird die Signalsequenz
jedoch beim Durchtritt durch die Kernporen nicht abgespalten; spaltet man sie
experimentell ab, wird das Protein nicht mehr in den Kern transportiert. Die
Poren können offensichtlich geöffnet und verschlossen werden.
Aus dem Chromatin der Zellkerne von Lymphocyten
hat MIESCHER 1869 zum ersten mal Nucleinsäuren isoliert
und sie wegen ihres hohen Phosphatgehaltes von Proteinen unterschieden. Chromatin
besteht v.a. aus DNA und Histonen.
Somatische Zellen des Menschen enthalten ca. 6 pg (= 6 10-12 g) DNA, was
ca. 6 109 b entspricht. Die DNA ist auf die Chromosomen bzw. diffus im Kern
verteilt. Die DNA-Moleküle in den Chromosomen sind mehrere cm lang, daher
muß es sehr dicht gepackt sein.
Chromatin besteht neben DNA auch aus Histonen (kleine basische Moleküle
von 11-21 kD), von denen 5 Klassen (H1, H2A, H2B, H3, H4) unterschieden werden.
Sie werden von einer Fünfergruppe von Genen codiert, die in der DNA nebeneinander
liegen und tandemrepetiert sind. Histone gehören zu den in der Entwicklung
am meisten konservierten Proteinen: Das aus 102 Aminosäuren bestehende
H4 unterscheidet sich bei Rind und Erbse nur in 2 Positionen! H4 ist stark basisch,
weil es 24 basische Aminosäuren (Arg, Lys) enthält, und bindet deshalb
stark an saure DNA.
Histone bilden das "Rückgrat" des Chromosoms bzw. Chromatins,
das aus den Untereinheiten Nucleosomen aufgebaut ist: das sind
Scheiben von 11 nm Durchmesser und 6 nm Höhe, die aus einem Histon-Octamer
(H2A, H2B, H3, H4)2 bestehen. Die DNA ist in ca. 1,75 Windungen außen
um diese Scheibe gewickelt und verbindet über einen Linker ein
Nucleosom mit dem anderen. Das Nucleosom besteht aus einem Histon-Octamer und
ca. 200 b DNA.
Im Chromatin des Zellkerns sind die Nucleosomen als Fasern (Æ
30 nm), sog. Solenoide, angeordnet, in denen die Nucleosomen in einer engen
Schraube liegen. Diese Struktur wird v.a. durch das H1 bestimmt, das wahrscheinlich
im Inneren des Solenoids lokalisiert.
Diese sind während des ganzen Zellzyklus lichtmikroskopisch
sichtbar, weshalb man ihren Zustand auch während der Interphase studieren
kann. Durch ihre Größe lassen sich auch mehr Strukturen erkennen.
Sie treten v.a. in bestimmten Geweben der Dipteren (Mücken und Fliegen)
aber auch bei Protozoen (Ciliaten) und gewissen Pflanzen auf. Sie entstehen
durch schrittweise Replikation der DNA ohne Kernteilung (Endomitose). Die resultierenden
Kerne sind polyploid. Polyploidie kommt in vielen Zellen vor, z.B.
in den Leberzellen des Menschen u.a. Säuger, wobei diese Zellkerne sich
morphologisch nur durch ihre Größe unterscheiden. Bei den polyploiden
Kernen der Dipteren sind dagegen die homologen Chromatiden gebündelt und
bilden ein vielsträngiges Riesenchromosom, in dem tausende DNA-Moleküle
parallel angeordnet sind.
Die euchromatischen Chromosomenarme zeigen ein charakteristisches Bänderungsmuster,
das die Anordnung der Gene in den Chromosomen repräsentiert. Bestimmte
Gene lassen sich mit genetischen und molekularbiologischen Methoden einzelnen
Bändern zuordnen. In verschiedenen Geweben sind die Bänderungsmuster
in einzelnen Zellen ähnlich, aber nicht identisch, wohl wegen dem Funktionszustand
der Gene.
Nach Untersuchungen an Riesenchromosomen von Drosophila scheint die DNA hier
zu Strukturen noch höherer Ordnung, als die Solenoide darstellen, gefaltet
zu sein. Das trifft v.a. für die Bänder zu, in denen ca. 90% der DNA
zu liegen kommen und die Kondensation scheinbar noch einmal um den Faktor 5
erhöht ist.
Zwischen Aktivitätszustand der Gene und Chromosomenkondensation besteht
eine enge Korrelation: Stark kondensierte Chromosomenabschnitte (Bänder,
Heterochromatin) sind weitgehend inaktiv, die Transkription der Gene ist auf
die Interbanden und die sog. Puffs
beschränkt. In einer Interbande behält das Chromosom seinen Durchmesser
bei, in einem Puff dekondensiert es teilweise.
Die meisten Organismen bilden keine Riesenchromosomen, daher
ist die Untersuchungsmöglichkeit auf Metaphasenchromosomen beschränkt.
Kerne können durch Vergiftung mit Colchicin oder Colchemid in der Metaphase
angereichert werden. Metahasechromosomen bestehen aus zwei Untereinheiten, den
Chromatiden, die am Centromer (= Spindelfaseransatzstelle) noch zusammenhängen.
Man unterscheidet metacentrische
Chromosomen (Centromer in der Mitte, daher X-förmig) von acrozentrischen
Chromosomen (Centromer am Ende). Heterochromatische Bereiche können
durch Färbefverfahren als Banden sichtbar gemacht werden; dadurch lassen
sich alle 23 (Paar) Chromosomen des Menschen identifizieren.
Metaphasechromosomen haben einen Kondensationsgrad von 104 und sind damit 100fach
stärker kondensiert als Riesenchromosomen. Daher sind Strukturuntersuchungen
schwierig, Metaphasechromosomen sind aber nachweislich in Schleifen gelegt.
Die DNA-Schleifen sind an einer zentralen Achse (Proteingrundgerüst) verankert
und 10-30 mm lang. In den Schleifen liegen die codierenden
DNA-Sequenzen, die dazwischenliegenden Regionen enthalten Anheftungspunkte für
das Grundgerüst. Metaphasechromosomen sind wegen ihres Kondensationsgrades
weitgehend inaktiv.
Der Neucleolus entspricht einem besonders großen Puff
und ist der Bildungsort der Ribosomen. Die Gene, die für die rRNA
(ribosomale RNA) codieren (18s-, 28s-, 5,8s-RNA) sind im Nucleolusorganisator
lokalisiert. Sie bilden eine stark repetitierende Serie von meist mehreren hundert
im Tandem angeordnete dekondensierte Gene, die eine hohe Transkriptionsrate
aufweisen. Bei einigen Tieren findet man mehrere Nucleolusorganisatoren, die
häufig zu großen globulären Strukturen fusionieren.
Außer der rDNA sind im Nucleolus auch entsprechende rRNA-Transkripte und
ribosomale Proteine, die im Cytoplasma synthetisiert und in den Nucleolus transportiert
werden. Dort erfolgt ihr Zusammenbau zu Ribosomen durch Selbstorganisation.
Der Zellzyklus gliedert sich in zwei Hauptphasen: Interphase und Teilungsphase. In der Interphase übt die Zelle ihre wichtigen Funktionen aus, verdoppelt ihre DNA und nimmt an Masse zu, während die Teilungsphase aus der Kernteilung (Mitose) und der Teilung des Cytoplasmas (Cytokinese) besteht.
Die Zellteilung wird von der Replikation der DNA dominiert.
Die Chromosoemn werden verdoppelt und exakt auf die Tochterkerne.
Unter optimalen Bedingungen teilen sich Einzeller oder Zellen in Kultur in regelmäßigen
Abständen (exponentielles Wachstum). Dabei kann die Dauer der einzelnen
Phasen unterschiedlich lange dauern.
Regulation der Zellteilung: Nervenzellen, Muskelzellen und
Erythrocyten teilen sich nach der Reifung i.d.R. nicht mehr, die Erythrocyten
von Säugern stoßen auch ihren Zellkern ab. Epithelzellen des Darms,
der Lungen und der Haut teilen sich dagegen ständig und werden laufend
ersetzt; so auch die blutbildenden Zellen des Knochenmarks. Zwischen normalen
Zellen existieren Rückkoppelungsmechanismen, die das Zellwachstum beschränken:
Normale Zellen wachsen in Kultur nur so lange, bis die Kulturschale einschichtig
bedeckt ist. Danach kommt es zur Teilungshemmung (Kontaktinhibition der
Zellteilung). Daneben hat auch die Position der Zelle innerhalb einer Kolonie
Einfluß auf ihre Teilungsrate. In situ ist der Kontak der Epidermiszellen
mit der Basallamina entscheidend.
In der Regel sind Zellen, die sich nicht teilen, in der späten G1-Phase
(Restriktionspunkt) arretiert. Der Eintritt in die S- und M-Phase wird
durch die Cycline A und B gesteuert. Dabei bilden sie mit dem M-Phase-induzierenden-Faktor
(MPF) einen aktiven Komplex; dieser ist seit der Hefe evolutorisch konserviert.
Die Zellproliferation wird durch Wachstumsfaktoren gefördert
und gehemmt. Dazu gehören lokal wirkende chemische Mediatoren, z.B. Prostaglandine,
Histamin, andererseits Hormone, z.B. der epidermale Wachstumsfaktor (EGF) und
der Nervenwachstumsfaktor (NGF), die diejenigen Zellen, die entsprechende Rezeptoren
besitzen, beeinflussen.
Die Mitose (Kernteilung) gliedert sich in 5 Phasen (Abb. 1.15), denen die Teilung des Cytoplasmas folgt (Cytokinese).
Die Cytokinese beginnt bereits in der späten Ana- oder
Telophase. Dabei schnürt sich die Zelle durch Kontraktion eines Ringes
von Actinfasern senkrecht zur Spindel durch. An der Zelloberfläche bildet
sich zunächst eine Furche, die sich vertieft. Überreste der Spindel
können zwischen beiden Zellen noch eine Zeit lang erhalten bleiben, bis
die Plasmamembranen fusionieren und sich die Tocherzellen vollständig trennen.
Bei der Spindelbildung bestehen zwischen Pflanzen, verschiedenen Protozoen
und höheren Metazoen Unterschiede. Das Organisationszentrum der Mirkdotubuli
ist nicht ausschließlich in den Centriolen lokalisiert, sondern in einer
amorphen Masse (Centrosom). Die Centriolen (fehlen bei vielen Pflanzen)
können bei tierischen Zellen mit Laser zerstört werden, ohne daß
die Spindelfunktion beeinträchtigt würde. Bei Organismen, bei denen
die Kernmembran während der Mitose erhalten bleibt, bildet sich die Spindel
außerhalb der Kernmembran. Mikrotubuli setzen an der äußeren
Kernmembran an und sind über kinetochorähnliche Strukturen mit den
Centromeren der Chromosomen verbunden.
Die meisten Organismen pflanzen sich sexuell fort.
Dabei fusionieren zwei Gameten zu einer Zygote, die sich zum Embryo
und später zum Adultorganismus weiterentwickelt. Hierbei wechseln
diploide (Zygote, Embryo, Adultorganismus) und haploide
Kernphase (Gameten) einander ab. Dazu muß eine Reduktionsteilung
(Meiose) stattfinden.
Die einzelnen Phasen der Meiose sind:
Die jetzt anschließende Meiose 2 unterscheidet sich im Mechanismus wenig von einer normalen Mitose, doch findet in der kurzen Interphase keine DNA-Synthese statt.
Die resultierenden vier haploiden Zellen differnzieren sich dann zu Gameten. Bei der Bildung der weiblichen Gameten differenziert sich jedoch meist nur eine der vier haploiden Zellen zum reifen Ei; die übrigen Meioseprodukte werden als abortive Schwesternzellen (Polkörper) abgestoßen.
Die Lampenbürstenchromosomen erlauben wegen ihrer Größe wieder interessante Schlüsse zu (s.o.).