Zusammenfassung Wehner-Gehring: "Zoologie", 22. Auflage (Thieme, Stuttgart)

Genamplifikation

Der Regulationsmechanismus, nach dem die Menge des Genproduktes durch die Anzahl der Genkopien im Zellkern reguliert wird, wurde zuerst bei ribosomalen RNA-Genen von Xenopus gefunden. Die diploiden somatischen Zellen weisen ca. 900 Gene auf, die für die ribosomale 18s-, 28s- und 5,8s-RNA codieren. Im Verlauf der Eientwicklung müssen etwa 1012 Ribosomen synthetisiert werden und mit je einem dieser RNA-Moleküle bestückt werden. Durch Genamplifikation wird die Anzahl der Genkopien in der Oocyte auf etwa 2·106 erhöht. Die tandemrepetierten ribosomalen RNA-Gene sind im sog. Nucleolusorganisator lokalisiert. In der meiotischen Prophase, wenn die reguläre DNA-Synthese bereits abgeschlossen ist, werden die rRNA-Gene amplifiziert. Die zusätzliche Replikation erfolgt nach dem Mechanismus des rollenden Kreises (vgl. Abb. 2.4). Es entstehen etwa tausend zusätzliche Nucleoli, die sich vom Chromosom ablösen und im Zellkern verteilen. Diese zusätzlichen Genkopien dienen als Matrize für die intensive Synthese von rRNA während der Oogenese.
Auch proteincodierende Gene können amplifiziert werden. Bei der Bildung der äußeren Eischale (Chorion) werden bei Drosophila die Gene, die für Chorionproteine codieren, in den Follikelzellen des Eies amplifiziert. In diesem Fall bleiben die zusätzlichen Genkopien aber mit dem Chromosom assoziiert. Im amplifizierten Chromosomenabschnitt, der ca. 100 kb lang ist, entstehen, ausgehend von einem ori, schrittweise zusätzliche Replikationsblasen, die sich nicht über den amplifizierten Bereich hinaus ausdehnen und ineinandergeschachtelt werden. Mutanten, bei denen die Genamplifikation blockiert ist, produzieren Eier mit defektem Chorion und sind meist steril.