Das Hämoglobinmolekül besteht bei höheren Wirbeltieren aus je zwei a- und zwei b-Ketten (Abb. 4.19). Die Ketten werden von einer kleinen Familie von Genen codiert, die sich im Verlauf der Evolution infolge von Mutationen auseinanderentwickelt haben. Die a-Globin-Genfamilie liegt bem Menschen auf Chromosom 16 (Abb. 2.43A) und besteht aus einem embryonalen Globingen, Zeta (z), und zwei eng benachbarten Adultglobingenen, a 1 und a 2, die nebeneinander auf dem Chromosom liegen. Zwischen den Genen liegen große Zwischenräume ("spacers"), die die oben erwähnten flankierenden Promotoren und Prozessierungssignale für die Termination enthalten. Für die meisten Spacer ist jedoch keine Funktion bekannt. Da die RNA-codierenden Sequenzen nur etwa 10-15 % dieses Chromosomenabschnittes ausmachen, hängt die "Genomgröße" somit weitgehend von diesen nichtcodierenden Sequenzen ab. Die Spacer enthalten auch repetierte Elemente der sog. Alu-Familie, die in etwa 300.000 Kopien pro menschlichem Genom vorkommen (s.unten). Die drei Gene der a-Globinfamilie sind auf dem gleichen DNA-Strang tandemartig angeordnet und werden somit in der gleichen Richtung abgelesen. Es ist anzunehmen, daß diese Genfamilie durch Genduplikationen entstanden ist. Zwischen dem z- und den beiden a-Genen liegen zusätzlich zwei Pseudogene (y), die in ihrer Struktur einem z- bzw. a-Gen entsprechen, aber infolge von Mutationen nicht mehr funktionstüchtig sind. Hierbei dürfte es sich um "tote Gene" (stammesgeschichtliche Relikte) handeln, die im Verlauf der Evolution ihre Fuktion eingebüßt haben.