Zusammenfassung Wehner-Gehring: "Zoologie", 22. Auflage (Thieme, Stuttgart)

Intragene Rekombination

Sie wurde erstmals bei Drosophila nachgewiesen, doch sind Pilze wie Neurospora für die Analyse der Feinstruktur besser geeignet. Bei Neurospora liegen die Produkte der Meiose (die Ascosporen) im Ascus linear hintereinander aufgereiht. Bei einer Mutante, bei der z.B. die Sporenfärbung verändert ist, kann daher die Segregation in der Meiose direkt im Mikroskop beobachtet werden. Wie Abb. 2.32 zeigt, durchläuft der Zygotenkern zunächst die beiden meiotischen Teilungen, so daß 4 haploide Kerne entstehen (Tetrade).

Abb. 2.32: Prä- und Postreduktion beim Schlauchpilz Neurospora.
Wenn kein Crossover stattfindet, werden a und a+ in der 1. meiotischen Teilung (MI) getrennt (Präreduktion). Findet ein Crossover zwischen dem Centromer (Kreis) und a statt, erfolgt die Trennung von a und a+ erst in der 2. meiotischen Teilung (MII) (Postreduktion).
a = Sporenfarbenmutante
Mi = Mitose

In der anschließenden Mitose gehen daraus 8 Ascosporen hervor. Dabei segrgiert ein Paar von Allelen (ala+) im Verhältnis 4:4, wobei verschiedene Anordnungen der Sporen auftreten. Die Centromere der homologen Chromosomen trennen sich stets in der ersten Meiose voneinander (Präreduktion). Findet kein Crossover statt, segregieren a und a+ ebenfalls in der Meiose I. Kommt es dagegen zum Crossover, trennen sich a und a+ in der Meiose II (Postreduktion), was sich in einer veränderten räumlichen Anordnung der Sporen ausdrückt. Da ein Crossover umso wahrscheinlicher ist, je weiter a vom Centromer entfernt ist, kann die Frequenz der Postreduktions-Asci (bezogen auf die Gesamtzahl der Asci) als Maß für den Abstand zwischen a und Centromer verwendet werden. Das Centromer dient in diesem Fall gewissermaßen als Markierungsgen.