Experimentell wachsende Bakterienzellen von Escherichia coli werden in einem Medium gezüchtet, das Stickstoff 15N enthält. Diese Stickstoffatome werden in die Purin- und Pyrimidinbasen der DNA eingebaut und verleihen dieser eine höhere Dichte als normale 14N-DNA. Zum Zeitpunkt t = 0 wird nun ein großer Überschuß an 14N ins Medium gegeben und die Änderung der Dichte der DNA über mehrere Zellgenerationen verfolgt. Durch den Einbau von 14N entsteht nach einer Zellgeneration eine DNA mittlerer Dichte (14N/15N). Nach zwei Generationen findet man eine zweigipfelige Dichteverteilung (14N/15N und 14N/14N) im Verhältnis 1:1. In den folgenden Generationen bleibt die 14N/15N-DNA ungefährt konstant, während die 14N/14N-DNA weiterhin ansteigt. In der ersten Zellteilung nach Zugabe des Überschusses an 14N trennen sich die beiden 15N-Stränge und dienen je als Matrize für einen neuen Strang, in den das Isotop 14N eingebaut wird. Dabei entsteht ein 14N/15N-Hybridmolekül von intermediärer Dichte (nachweisbar durch Hitzedenaturierung). Das Hybridmolekül besteht also aus einem "alten" 15N-Strang und einem "neuen" 14N-Strang. Man bezeichnet die Art der Replikation deshalb als semikonservativ. Bei der zweiten Replikation entstehen zwei neue 14N/15N-Hybridmoleküle von intermediärer Dichte und zwei leichte 14N/14N-Moleküle. Auch bei Eukaryoten verläuft die Replikation semikonservativ.