Zusammenfassung Wehner-Gehring: "Zoologie", 22. Auflage (Thieme, Stuttgart)

Festlegung der proximal-distalen Achse in der Flügelanlage des Hühnerembryos

Die proximal-distale Achse der Extremitätenknospe wird im Gegensatz zur antero-posterioren und dorso-ventralen Achse durch induktive Wechselwirkungen zwischen Mesoderm und darüberliegenden Ektoderm festgelegt. Die aus dem somatischen Blatt des Meosderms stammenden Mesenchymzellen induzieren im Ektoderm eine Apikalleiste, die für die weitere Entwicklung der Gliedmaße unerläßlich ist. Unmittelbar unter der Apikalleiste teilen sich die Mesenchymzellen und bilden die Progreßzone, aus der zunächst die proximalen Teile der Extrmitäten hervorgehen, denen zunehmend weiter distale Elemente folgen. Die proximodistale Polarität beruht auf den Mesenchymzellen und nicht auf der Apikalleiste. Auch die anteroposteriore Positionsinformation wird von mesodermalen Zellen vermittelt, die in einer definierten Polarisierungszone am hinteren Rand der Extremitätenknospe lokalisiert sind (Box 3.1). Transplantiert man eine zusätzliche Polarisierungszone an den Vorderrand, entsteht ein spiegelbildlich verdoppelter Flügel. Weitere Experimente dieser Art führten zu der Hypothese, daß die Polarisierungszone eine diffusionsfähige Substanz produziert, die ein antero-posteriores Konzentrationsgefälle aufweist (morphogene Substanzen, z.B. Retinsäure, vgl. Box 3.1).